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Geschichtliches

Text aus: Westdeutsche Wirtschaftschronik, Band III, 1955 Verlag Paul Weber, Filiale Stuttgart, Druck: Pforzheim

Friedhofsgärtnerei Peter Bauer Speyer/Rhein


Firmen mit Tradition gibt es in Deutschland viele, aber daß ein Inhaber stolz behaupten kann, mein Familienuntemehmen stammt aus dem Jahre 1587, dürfte - zumindest im Gärtnereigewerbe - einmalig sein.

In der weit über 1000 Jahre alten Kaiserstadt Speyer am Rhein war schon im Jahrhundert der Religionskämpfe ein Bauer Friedhofsgärtner und Totengräber. Das Familienwappen führte damals schon den Spaten im Schilde. Die Familie läßt sich urkundlich bis zum Jahr 1100 in Speyer zurückverfolgen und stellte für die Stadt oft angesehene und geachtete Mitarbeiter für die öffentlichen Belange, u. a. auch Bürgermeister.

Beim großen Brand von Speyer im Jahre 1689 hatten die Angehörigen der Familie Schutz und Zuflucht in einer Familiengruft auf dem alten Friedhof gefunden, der damals schon 500 Jahre bestanden hatte.

Der Großvater des jetzigen Inhabers der Friedhofsgärtnerei hat 1841, als in Speyer eine Leichenhalle gebaut wurde, in den Grundstein die üblichen Dokumente einlegen dürfen. 1848 versuchten Freischärler den Speyrer Friedhof als Verteidigungsanlage zu benützen, und der damalige Bauer entging der Erschießung wegen Widerstandes gegen die Freischärler nur durch das mutige Eingreifen seiner Frau.

Der heutige Inhaber, Peter Bauer, geboren am 25. Februar 1881 auf dem Friedhof in Speyer, wurde Gärtner und Totengräbergehilfe seines Vaters - wie hätte dies auch anders sein können! Und trotzdem tanzte er aus der Reihe, denn er wollte höher hinauf. Bei seiner Verheiratung im Jahr 1906 machte er sich selbständig. 1930 wagte er den großen Sprung. Direkt vor den Toren des Friedhofes wurde eine stillgelegte Fabrik feilgeboten, und er griff zu. Zwei mächtige Schornsteine, weitgedehnte Hallen, die heute als Gewächshäuser benutzt werden, zeugen von dem Unternehmergeist dieses letzten Bauer und seiner Ehefrau Luise, geborene Lenhardt, die ihm bei allen Unternehmungen tatkräftig zur Seite stand und seine beste Hilfe war. 1934 gab er wegen der großen Ausweitung seines Geschäftes den Totengräberposten an die Stadt zurück.

Feldbahn, Palmenhäuser, Exotenhäuser, Laden, Bewässerungsanlagen, kurz die ganzen Teile einer mächtigen Gärtnerei, die aus einem Fabrikanwesen geschaffen wurden, indem zuerst ein Teil der Hallen abgebrochen werden mußten, um Platz für Felder zu schaffen, zeugen von dem Arbeitswillen und dem Einsatz des Herrn Bauer.

Er, der 1954 seine treue Lebensgefährtin verloren hat, steht mit seinen 74 Jahren ungebrochen in seinem Betrieb. Zwei Weltkriege, der letzte mit Kampf am Friedhof, Granateinschläge und Verwundung, persönliches Leid in der Nachkriegszeit und viele Widerstände haben ihm die Kraft zum Neuaufbau nicht genommen, denn nach seinem eigenen Ausspruch „müßte er sich ja sonst vor seinen Vorfahren schämen!" Hochgeachtet von seinen Mitbürgern, Ehrenmitglied verschiedener Vereinigungen, u. a. des Gärtnereivereins Speyer, steht Herr Bauer heute noch - selten vital - mitten im Leben, das für ihn nicht mehr viel Überraschungen bergen kann. Peter Bauer hat seinen Teil dazu beigetragen, das Erbe der Väter zu vermehren, mögen die, die nach ihm kommen, es ebenso halten, dann müßte der Weg der Familie Bauer auch in den folgenden Jahrzehnten gesichert sein.

1952 gründete dessen Sohn und mein Vater Rudolf Bauer in der Wormser Landstraße 173 die neue Gärtnerei. Seit 1976 bin ich, Helmut Bauer (Enkel des Peter Bauer), der Inhaber. Die Familiengeschichte wird durch unsere drei Kinder fortgeführt.


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